Aberglaube, (v. altdeutsch ubarfengida "am Glauben vorbei"), der Glaube an übernatürliche Phänomene oder an die übernatürliche Wirkung bestimmter Rituale und Bräuche. Der Aberglaube ist verwandt, aber nicht identisch mit der ►Esoterik. Im Gegensatz zu dieser wurzelt er in weit zurückreichenden Traditionen.

Unreligiösen Aberglauben findet man unter Berufsgruppen, deren Erfolge oder Misserfolge scheinbar unbeeinflussbaren Kräften unterliegen, wie etwa Seeleuten oder Theaterschauspielern. Religiöser Aberglaube beinhaltet den Glauben an übernatürliche Zauberkräfte der jeweiligen ►Gottheit, an ►Wunder und an die Zauberwirkung von Ritualen und Gebeten.

Aufgeklärte Religion

Im Rahmen der Aufklärung entwickelte sich die Bestrebung, alle abergläubischen Elemente aus der Religion zu entfernen. Diese Tendenz hat sich besonders in der europäischen evangelischen und katholischen Theologie durchgesetzt, ist allerdings in anderen Religionen wie Islam und Judentum, aber auch im US-Christentum noch wenig zu finden (von neueren Entwicklungen wie der Emerging Church abgesehen). Das aufgeklärte Christentum glaubt z.B. nicht an

  • Die Erschaffung des Menschen aus einem Lehmklumpen. Lehm war das erste von Menschen benutzte formbare Material, deshalb findet man die Schöpfung aus Lehm nicht nur in der Bibel, sondern auch in vielen Naturreligionen und Volksmythen.
  • Den Sündenfall. Dieser wird als symbolische Erklärung des Bösen angesehen, jedoch nicht als tatsächliches Ereignis. Eine vererbbare Sünde, die alle Menschen ohne ihr eigenes Zutun begehen, ergibt für aufgeklärte Theologen keinen nachvollziehbaren Sinn.
  • Die Tötung feindlicher Stämme durch direkte Aktionen Gottes während der Wanderung Israels. Diese Erzählungen aus dem Pentateuch werden von modernen Theologen nicht nur wegen ihres Wundergehalts, sondern auch aus moralischen Gründen abgelehnt.
  • Die Wundertaten Jesu, etwa das Verwandeln von Wasser in Wein. Zu Jesus' Lebzeiten zogen viele Wanderprediger durch Palästina und vollbrachten Wundertaten, so dass hinter diesen Erzählungen das Motiv vermutet wird, Jesus nicht hinter seinen Konkurrenten zurückstehen zu lassen.
  • Die zauberkräftige Wirkung von Gebeten. Der Wunsch "Lieber Gott, lass mich morgen im Lotto gewinnen" hat nach Ansicht der meisten Theologen keinen Einfluss auf die Ziehung der Lottozahlen. Gebete haben vielmehr ihren Sinn im meditativ-psychologischen Bereich.

Freilich birgt die Eliminierung des Aberglaubens aus der Religion die Gefahr mit sich, in logischer Konsequenz auch Gott selbst zu eliminieren und letztlich beim ►Atheismus zu landen. Dieser letzte Schritt wird jedoch in der Regel nicht vollzogen. Gott bleibt zwar nicht als wundertätige Person, jedoch als schöpferisches und moralisches Prinzip der Religion erhalten. Der Gläubige gewinnt hierdurch die beruhigende Gewissheit, weiterhin an Gott glauben zu können und dennoch im Einklang mit der menschlichen Moral und Rationalität zu stehen.

In der moralischen Konsequenz allerdings ist die aufgeklärte Religion dem Atheismus ähnlich. Auch hier wird der Mensch als eigenverantwortlich angesehen, eine Verantwortung, die ihm nicht durch seine bloße Existenz, sondern durch Gott auferlegt wurde. Im Licht der aufgeklärten Religion ist die Lösung der Theodizee die Ohnmacht Gottes. Gott weint über Leid, vermag jedoch aufgrund der dem Menschen übergebenen Verantwortung nichts daran zu ändern.


Weblinks zum Thema

■ Religions of the World
■ How many has God killed?
■ Atheismus online

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