Allmacht, unendliche Macht; die Fähigkeit einer Wesenheit, jederzeit beliebige Ereignisse (►Wunder) auszulösen, auch außerhalb der ►Naturgesetze und außerhalb logischer Erklärungen.

Die Götter der Naturreligionen und der Antike waren mächtig, aber meistens nicht allmächtig. Erst die monotheistischen Weltreligionen Judentum, ►Christentum und ►Islam schrieben Gott Allmacht zu. Nach Auffassung des Moralphilosophen Hans Jonas ist Allmacht ein Widerspruch in sich, denn Macht offenbare sich nur da, wo sie auf Widerstand treffe. Allmacht stoße jedoch auf keinen Widerstand, somit sei sie keine Macht. Etwas anschaulicher ist die Überlegung, ein allmächtiges Wesen könne keinen Fels schaffen, der so groß sei, dass es selbst ihn nicht zu heben vermöchte. Somit sei Allmacht nicht möglich.

In der Regel verstehen die Anhänger eines ►Gottes dessen Allmacht jedoch als Fähigkeit, menschliche Schicksale beliebig zu beeinflussen. Dieser schwächeren Allmachtsdefinition können die obigen Spitzfindigkeiten nichts anhaben. Jedoch gibt es noch ein weiteres klassisches Argument gegen Gottes Allmacht, nämlich das der Theodizee (v. griech. theos "Gott" u. diké "Gerechtigkeit"): Wie ist die Allmacht Gottes mit dem Leiden Unschuldiger in der Welt vereinbar? Wäre Gott allmächtig, könnte er Leiden beseitigen oder gar nicht erst entstehen lassen, etwa indem er von vornherein einen besseren menschlichen Körper (ohne Krankheiten) oder eine bessere Erde (ohne Vulkane, Erdbeben und Dürren) erschaffen hätte.

Ist Gott gut?

Der Kirchenvater Lactantius formulierte das Theodizee-Problem folgendermaßen:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
dann ist Gott schwach;
oder er kann es und will es nicht:
dann ist Gott missgünstig,
oder er will es nicht und kann es nicht:
dann ist er schwach und missgünstig zugleich,
oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel?*

Da der christliche Gott zuweilen Übel nicht nur nicht bekämpft, sondern aktiv fördert - etwa durch Anstiftung zum Völkermord, wenn man die Bibel** als historischen Bericht interpretiert, wie dies einige Christen tun - scheint die Theorie vom missgünstigen Gott am ehesten zuzutreffen. Über Gottes Gründe, Menschen Leid zuzufügen, herrschen jedoch sogar innerhalb der gleichen Religion völlig unterschiedliche Auffassungen:

  • Vergeltung: Leid ist Gottes Strafe für einen Tabubruch, den der Leidende selbst oder einer seiner Stammesmitglieder oder Vorfahren begangen hat (Sündenfall).
  • Feindseligkeit: Leid wird zugefügt, da Gott auf der Seite der Feinde des Leidenden oder seines Stammes steht (Bibel, Stammeskämpfe Israels).
  • Experiment: Leid wird einem Menschen zugefügt, um seine Reaktion darauf zu testen (Bibel, Abraham bzw. Hiob).
  • Kompensation: Leid wird nach Belieben zugefügt, da es im Jenseits ausgeglichen wird und somit unwichtig ist.
  • Privatio boni: Leid ist ein Mangel an Perfektion; da eine perfekte Welt unmöglich ist, konnte Gott unsere Welt nicht leidfrei gestalten.
  • Erfahrung: Gott lässt den Menschen leiden, da diese Erfahrung für die Menschwerdung und Ausübung des freien Willens wichtig ist.
  • Paradoxon: Gottes Gründe sind unerforschlich, das dem Menschen zugefügte Leid bleibt daher ein prinzipiell unlösbares Paradoxon.

Augustinus meinte, es gebe gar kein Übel in der Welt, sondern als Übel erscheine uns nur ein Mangel an Gutem (privatio boni), für den wir jedoch nicht Gott, sondern unser eigenes Anspruchsdenken verantwortlich machen sollten. Auch Leibniz hielt unsere Welt bereits für die beste aller möglichen Welten, in der das Übel den geringstmöglichen Platz hat. Nach Hegel ist das Übel ein notwendiges Übergangsstadium und dient der dialektischen Entwicklung der Geschichte. Hans Küng setzt auf unbedingtes Vertrauen zu Gott, der das Übel zulässt, da der Mensch erst durch Leiden zum Leben gelangen kann.

Leiden für die Freiheit

Dies entspricht der oft vertretenen Ansicht, dass das Leiden Einzelner notwendig ist, da sonst Menschen ihre von Gott verliehene Freiheit der Entscheidung zwischen Gut und Böse nicht ausleben können. Auch scheinbar sinnloses Leiden durch Krankheiten oder Naturkatastrophen habe einen höheren Sinn, etwa als Strafe für die Erbsünde, dem verbotenen Streben Adams nach Erkenntnis. Dies widerspricht zwar dem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden, wonach es verwerflich ist, jemanden die Tat eines anderen büßen zu lassen. Allerdings muss Gottes Gerechtigkeitsauffassung sich ohnehin von der des Menschen unterscheiden, denn Gottes Ratschlüsse sind nach Auffassung der meisten Theologen unerforschlich.

Kant jedenfalls hielt den menschlichen Geist für zu begrenzt, um Spekulationen über die Moral Gottes anzustellen. Der Theologe Karl Barth schließlich verzichtete ganz auf eine Lösung des Theodizee-Problems. Das Leiden in der Welt sei die unmögliche Möglichkeit, ein dialektisches Paradox des Bösen.***


* L. Caecilius Firmianus Lactantius, Institutiones Divinae, ca. 310

** So zürnt etwa Moses seinen Heerführern, weil diese beim von Gott befohlenen Überfall auf die Midianiter vorerst nur die Männer, nicht jedoch auch die Frauen und Kinder abgeschlachtet hatten (4. Buch Mose).

*** Ein ähnliches Paradox stellt sich nicht nur Gott, sondern eigentlich jedem Nutznießer westlichen Lebensstandards. Dieser hat durchaus die Macht, Übel zu beseitigen, etwa indem er sein Einkommen an Hilfsorganisationen weiterleitet und sich mit dem Existenzminimum begnügt. Dass kaum jemand seine Macht in diesem Maße ausübt, ist paradox. Freilich ist die menschliche Hilfsbereitschaft und Güte ist endlich, während man Gott ein unendliches Maß dieser Eigenschaften zurechnet. Falls Sie dennoch den Kampf gegen Übel nicht Gott allein überlassen wollen, können Sie sich z.B. an folgende Adressen wenden:

■ amnesty international - Bekämpfung aller Arten von Menschenrechtsverletzungen
■ Oxfam Deutschland - Beseitigung von Not, Armut und sozialer Ungerechtigkeit
■ Rotes Kreuz / Roter Halbmond - Hilfe bei Konflikten und Katastrophen

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