Gott, von Gläubigen verehrte, oft ►allmächtige und ►allwissende Wesenheit. Der Kirchenvater Augustinus definiert Gott als Wesen mit der Fähigkeit, das Unendliche zu erkennen:

"Ihm ist die Unendlichkeit der Zahlen, obwohl sie unzählbar ist, nicht unfasslich, da seiner Erkenntnis keine Zahl zu groß ist. Wenn also alles, was man wissend erfasst, durch des Wissenden Erfassen begrenzt wird, so ist für Gott zweifellos sogar das Unbegrenzte auf unbeschreibbare Weise begrenzt, da es seinem Wissen fassbar ist."

Die Begegnung des Menschen mit Gott kann auf drei Arten erfolgen: Im Opfer oder Gebet, in der Erleuchtung, und im Tod. Im ersteren Fall kommuniziert der Mensch mit Gott, etwa um diesem Wünsche vorzutragen oder ihm für dessen Hilfe zu danken. Im zweiten Fall kommuniziert Gott mit dem Menschen. Zuweilen bedient er sich dabei der Vermittlung eines Boten, etwa eines Engels, zuweilen werden dem Menschen aber auch durch den direkten Einblick in Gottes Unendlichkeit Offenbarungen zuteil*. Im dritten Fall erlangt der Gläubige nach dem Tod und gegebenenfalls einem Jüngsten Gericht ein ewiges Leben in Gottes Nähe.

Zur Zeit werden auf der Erde noch etwa 1500 Götter oder gottähnliche Wesen verehrt. Die Gesamtzahl der bekannten Götter ist weitaus größer, die meisten teilen jedoch das traurige Schicksal, nur noch für Ethnologien oder Historiker von Bedeutung zu sein. Wenngleich Götter der Naturreligionen und antike Götter in der Regel ►unsterblich waren, hatten sie nur begrenzte Macht, begrenztes Wissen und menschliche Schwächen. Erst die monotheistischen Weltreligionen - Judentum, ►Christentum, ►Islam - postulierten Allmacht, Allwissenheit und Allgüte Gottes. Da diese drei Eigenschaften mit dem Leiden Unschuldiger auf der Welt schlecht vereinbar sind (►Theodizee-Problem), stellt die Theologie Gott oft außerhalb der Grenzen menschlicher Logik und menschlicher Ethik: Seine Ratschlüsse sind unerforschlich.

Religion ohne Gott?

Die Auffassung, um Gottes Existenz oder Nichtexistenz nicht wissen zu können, bezeichnet man als Agnostizismus, den willentlichen Nichtglauben an Gott hingegen als ►Atheismus. Die meisten Götter vergelten Atheismus mit ewiger Bestrafung in der ►Hölle. Dies hat - im Gegensatz zu den ansonsten unerforschlichen Ratschlüssen - eine gewisse Berechtigung, denn Atheismus bedroht direkt Gottes Machtausübung und somit seine Fortexistenz. Man muss auch einem Gott Maßnahmen zur Selbstverteidigung gestatten.

Um Atheisten auf humanere Art zu bekehren, entwickelten Theologen verschiedene ►Gottesbeweise. Diese überzeugten jedoch oft nur die, die ohnehin schon an Gott glaubten. Im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung stehen Atheismus und Religion keineswegs im Widerspruch. Der ursprüngliche Buddhismus etwa war eine atheistische Religion, da Gautama Buddha den Glauben an einen Gott ebenso ablehnte wie die Vorstellung, ein anderer könne uns erlösen. Auch der Konfuzianismus und der Taoismus ersetzten Gott durch ethische Prinzipien. Das ►Christentum entwickelt sich zur Zeit ebenfalls in eine atheistische Richtung, indem katholische und protestantische Theologen den Begriff Gottes durch Entfernen aller widersprüchlicher oder moralisch fragwürder Eigenschaften gegen Kritik abzuschirmen suchen und dadurch von Gott praktisch nichts mehr übrig lassen.

Wer sich jedoch zwischen Gott und Atheismus gar nicht entscheiden kann, mag Zuflucht in der Religion der Hottentotten finden. Diese ist als einzige Religion der Erde weder atheistisch noch mono- oder polytheistisch, sondern semitheistisch. Ihr halber Gott Haiuri (nicht zu verwechseln mit einem Halbgott) existiert nur halbseitig und besitzt nur ein Auge, ein Ohr, einen Arm und ein Bein.


* Georg Cantor war sich sicher, seine Erkenntnis der aktualen Unendlichkeit, die zur Mathematik der transfiniten Zahlen führte, sei von Gott eingegeben.

Weblinks zum Thema

■ Religions of the World
■ Godchecker - your guide to the gods
■ Internationale Liga der Atheisten

 

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