Gottesbeweis, Versuch, die Existenz Gottes aus theoretischen Überlegungen abzuleiten.

Der historisch erste Gottesbeweis war der ontologische Beweis des Anselm von Canterbury:

  • Gott ist per Definition eine unendlich mächtige Wesenheit; etwas noch Mächtigeres kann somit nicht gedacht werden.
  • Wäre Gott nicht existent und allein in der Vorstellung vorhanden, so gäbe es durchaus noch etwas Mächtigeres, nämlich derselbe Gott nicht nur in der Vorstellung, sondern auch in der Wirklichkeit bestehend.
  • Dies ist ein Widerspruch zu der Annahme, dass der gedachte Gott die mächtigste denkbare Wesenheit ist. Daher muss Gott in der Wirklichkeit existieren.

Noch zu den Lebzeiten Anselms wies allerdings ein Mönch namens Gaunilo darauf hin, dass man mit dieser Methode die Existenz von fast allem beweisen kann, auch die von Einhörnern*. Man kann sogar mit der gleichen Argumentation beweisen, dass Gott nicht existiert:

  • Eine Schöpfung ist um so bewundernswerter, je größer die Anstrengung zu ihrer Erschaffung war. Die bewundernswerteste denkbare Schöpfung ist die gesamte Welt mit allem, was sie enthält.
  • Ein Schöpfer muss sich zum Schöpfen um so mehr anstrengen, je unfähiger er ist. Der unfähigste denkbare Schöpfer ist ein Schöpfer, der gar nicht existiert.
  • Also kann der Schöpfer der Welt nicht existieren**.

Gott als erste Ursache

Es waren neue Gottesbeweise erforderlich. Diese lieferte Thomas von Aquin. Sein Kausalbeweis basiert auf dem Postulat des Aristoteles, dass jedes Ding eine Ursache hat und diese wiederum eine Ursache. Da aber das ►aktual Unendliche in der Welt nicht existiere, könne man auch die Reihe der Ursachen nicht unendlich fortsetzen. Daher müsse es eine erste Ursache (causa prima) geben. Diese erste Ursache sei Gott. Der Beweis provozierte allerdings bald den Einwand, dass einerseits auch unter Annahme einer nur potentiellen Unendlichkeit Gott ebenfalls eine Ursache haben müsse und andererseits die causa prima auch etwas Nichtgöttliches, etwa ein Naturgesetz, sein könne.

Thomas von Aquin hatte jedoch mit dem Kausalbeweis sein Pulver noch nicht verschossen und schob den teleologischen Beweis nach. Die Welt besitzt große Schönheit und Zweckmäßigkeit. Dies lässt sich nur mit einem schöpferischen Plan erklären. Ein Plan jedoch erfordert einen Planer. Gott ist derjenige, der den Plan ersonnen und in die Tat umgesetzt hat. Dieser Gottesbeweis ist zwar eine Meinung und kein Beweis, hat aber zumindest nicht die logischen Schwächen der anderen und ist heute noch als Basis des amerikanischen Kreationismus zu finden.

Verwandt, aber nicht identisch mit dem causa prima-Beweis ist die Überlegung ex nihilo nihil fit: Aus Nichts kommt nichts. Da es unser Universum erst seit 13,7 Milliarden Jahren gibt, muss jemand es erschaffen haben. Dieser Jemand ist Gott, der ewig existiert und für den selbst ex nihilo nihil fit daher nicht gilt. Freilich ist ex nihilo nihil fit auch sonst eine unbewiesene Annahme und daher als Voraussetzung eines Beweises wertlos. Vielmehr gibt es in der Natur konkrete Beispiele, dass durchaus aus Nichts etwas entstehen kann. Im Vakuum bilden sich spontan subatomare Teilchen und verschwinden wieder - ein Effekt, der als Casimir-Effekt messbar ist. Zudem vermuten viele Physiker, dass das Universum keineswegs aus Nichts entstanden ist, sondern ein natürliches Phänomen ähnlich einem Phasenübergang in einem mehrdimensionalen, unendlichen Raum darstellt.

Der mathematische Gottesbeweis

Natürlich lassen sich auch aus allen möglichen naturwissenschaftlichen Überlegungen Gottesbeweise produzieren. Hier ein mathematischer Gottesbeweis:

  • Für jede endliche Zahl n gilt n/0 = .
  • Das kann man auch so schreiben: n = • 0
  • Jedes Qualität q eines hergestellten Gegenstandes ist das Produkt aus ihrem Ausgangszustand q' und dem Schöpfungsfaktor f: q = f • q'
  • Ist der Ausgangszustand q' Null, muss der Schöpfungsfaktor f unendlich sein: q = f • q' = • 0
  • Da unser Universum vorher nicht existierte, muss es mit einem unendlichen Schöpfungsfaktor geschaffen worden sein. Dieser unendliche Faktor ist Gott.

Der taktische Gottesbeweis

Der für viele überzeugendste Gottesbeweis stammt von Blaise Pascal. Er betrachtete die vier möglichen Varianten des Gottesglaubens und ihre Konsequenzen unter dem Aspekt der Spieltheorie:

  • Gott existiert nicht, und ich glaube nicht an ihn → egal.
  • Gott existiert nicht, aber ich glaube an ihn → egal.
  • Gott existiert, aber ich glaube nicht an ihn → ich komme in die Hölle.
  • Gott existiert, und ich glaube an ihn → ich komme in den Himmel.

Ganz gleich wie gering man die Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes einschätzt, sollte man also dennoch an ihn glauben, da dies taktisch klüger ist.


* Ein Einhorn sei per Definition das zauberhafteste aller Pferde; eine noch zauberhaftere Pferderasse kann nicht gedacht werden. Wären nun Einhörner nicht existent und allein in der Vorstellung vorhanden, so gäbe es durchaus noch etwas Zauberhafteres, nämlich Einhörner nicht nur in der Vorstellung, sondern auch in der Wirklichkeit bestehend. Dies ist ein Widerspruch zu der Annahme, dass die gedachten Einhörner die zauberhaftesten sind. Daher müssen Einhörner real existieren.

** Nach einem Gottes-Gegenbeweis des Philosophen Douglas Gasking.

Weblinks zum Thema

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