Perspektive (v. lat. perspectare "durchsehen"), die Konstruktion einer Abbildung räumlicher Objekte mittels im Unendlichen liegender Fluchtpunkte.


Konstruktion von Fluchtpunkten*

Um Räumlichkeit naturgetreu darzustellen, benutzten bereits die Römer perspektivische Verfahren. Wandfresken in Pompeji ließen den Raum scheinbar fließend in einen gemalten Garten übergehen. In den folgenden Jahrhunderten ging dieses Wissen verloren. Die frühchristliche und mittelalterliche Malerei kannte fast nur die Bedeutungsperspektive: Die Größe der dargestellten Personen wurde nicht durch ihre Entfernung zum Betrachter bestimmt, sondern durch ihren Status in der Kirchenhierarchie bzw. den Grad ihrer Heiligkeit.

Erst in der Renaissance beginnend mit dem 15. Jahrhundert entwickelte sich langsam eine neue Auffassung von Kunst als Darstellung von Wirklichkeit. Künstler begannen die Gesetze der Optik zu studieren. Der italienische Maler und Architekt Filippo Brunelleschi entdeckte die Zentralperspektive wieder, sein Nachfolger Leonardo Da Vinci entwickelte sie zur Perfektion. Der deutsche Maler Albrecht Dürer reiste eigens nach Italien, um die Kunst der Perspektive zu lernen. Er veröffentlichte später ein Lehrbuch darüber.

Zur Konstruktion von zentralperspektivischer Darstellung lässt man jede Schar von Parallelen auf einen Fluchtpunkt am Horizont zulaufen. Man verschiebt hier also den unendlich weit entfernten Schnittpunkt von Parallelen in einen endlichen Bereich des Bilds. Die Fluchtpunkte derjenigen Parallelenscharen, die auch parallel zum Grund verlaufen, liegen alle auf der Horizontlinie. Parallelen senkrecht zum Grund treffen sich in der Zentralperspektive nicht in Fluchtpunkten, sondern bleiben auch in der Darstellung parallel.


* Daniel Barbaro, Lehrbuch der Malerei

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