Land der unbegrenzten Möglichkeiten, eine auf eigentlich jedes Land zutreffende Bezeichnung, denn Möglichkeiten sind im Gegensatz zum Wirklichen immer ►unbegrenzt, wenn nicht gar ►unendlich. Gemeint sind hier jedoch die USA.

Die Vereinigten Staaten von Amerika erhielten diesen Beinamen aufgrund ihrer liberalen Einwanderungspolitik zu Anfang des 20. Jahrhunderts sowie der dort herrschenden unternehmerischen Freiheit. Mittlerweile muss man zwar zur Gründung und Führung eines Unternehmens in den USA eher mehr bürokratische Hürden nehmen als in Deutschland. Dennoch bieten die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer Ressourcen und ihrer Vielfalt immer noch ein gutes Umfeld für neue Ideen.

Heute staunt ein Fremder in den USA weniger über unbegrenzte Möglichkeiten als vielmehr über seltsame Gegensätze. Die USA sind der reichste Industriestaat der Erde, befinden sich jedoch, ginge man nach den Statistiken für Verbrechen, Hinrichtungen, Abtreibungen, Minderjährigen-Schwangerschaften, Armut und Aberglauben eher auf dem Niveau eines Dritte-Welt-Landes*. Zahlreiche religiöse TV-Sender predigen einem Millionenpublikum christlichen Fundamentalismus und verteufeln die Wissenschaft. Noch 2004 glaubten 61% aller erwachsenen US-Bürger an die Erschaffung der Welt in sechs Tagen (Deutsche: 13%)**, obwohl zur gleichen Zeit die US-Raumsonde WMAP die kosmische ►Hintergrundstrahlung vermaß und die bislang präzisesten Daten über den Urknall lieferte. Daten, die die USA zwar freigiebig der Welt zur Verfügung stellen, der eigenen Jugend jedoch zuweilen nicht zumuten wollen - in Kentucky etwa mussten noch 1996 Schulbuchseiten zum Thema Urknall überklebt werden.

Trotzdem: Loblied auf Amerika

Derzeit ist der Respekt für die USA weltweit auf einem Tiefpunkt. Doch tut man den Amerikanern natürlich Unrecht, wenn man sie nur nach ihrer Regierung oder ihren Fundamentalisten beurteilt. Die USA besitzen immer noch die am besten ausgestatteten Universitäten, stellen die meisten Nobelpreisträger und haben - entgegen dem gängigen Vorurteil - ein reichhaltiges Kulturleben. Letzteres profitiert nicht von staatlicher Unterstützung, sondern von einem privaten Mäzenatentum, das man so in kaum einem anderen Land findet. Nirgends erntet amerikanische Frömmelei, Obrigkeitshörigkeit und Hurrapatriotismus beißenderen Spott als in den USA selbst. Für private Initiativen wie die Long Now Foundation oder das SETI Institute muss man die Amerikaner einfach lieben. Und nicht zuletzt wurden die meisten und besten populärwissenschaftlichen Bücher über das Unendliche bisher in ihrem Land publiziert.


* Vergleichende Studie von Gregory S. Paul, Journal of Religion and Society, 7/2005

** USA: ABC-Umfrage vom Februar 2004, www.pollingreport.com/religion.htm.
Deutschland: Stern/Forsa-Umfrage vom November 2005

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